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Fotografischer Ansatz

Eine der grundlegenden Fragen im Kontext Fotografie ist die nach ihrem künstlerischen Anliegen. Hierbei ergeben sich unterschiedliche Sichten, die sich unter anderem darin unterscheiden, in welchem Maß von der Fotografie Bewahrung oder bewusste Unterdrückung ihrer traditionellen optischen Tugenden (wie etwa Präzision, Sachlichkeit und Schärfe) gefordert wird. Dabei führt ein Ausreizen des technisch Machbaren zu einer präzisen Bestandsaufnahme und einer sachlichen Dokumentation des Gesehenen („dokumentarischer Ansatz“). Demgegenüber wird mit einer bewussten Zurücknahme des technisch Machbaren - übrigens seit der Frühzeit der Fotografie - beabsichtigt, statt „bloßer Fakten“ mehr die wahrgenommenen Eindrücke zu sammeln und - ähnlich einem Gemälde - in Form eines Bildes an den Betrachter weiterzugeben („impressionistischer Ansatz“).

Im Mittelpunkt meiner eigenen fotografischen Arbeit stehen Landschaften, Stadtlandschaften und Gebäude. Bei der Umsetzung meiner Bildideen fühle ich mich nicht einem der beschriebenen fotografischen Pole verhaftet. Vielmehr nutze ich dieses methodische Spannungsfeld als eine Art Baukasten, aus dem ich mich bediene. Je nach Sujet und künstlerischem Anliegen pendele ich daher zwischen impressionistischem und dokumentarischem Ansatz.

Impressionistischer Ansatz

Hierbei steht nicht die dokumentarische Analyse des Bildmotivs im Mittelpunkt, sondern vielmehr der „malerische Gehalt“ des Gesamtbildes. Ganz bewusst werden die technisch verfügbaren Möglichkeiten zurückgenommen, um in den Bildern weiche Konturen und eine Reduktion auf Formen und Farben zu realisieren.

Um diese malerische Bildqualität zu erreichen, verwende ich Lochkameras, teils eigener Konstruktion (mehr unter Texte/Lochkamera). Diese Kameras haben anstatt einer Frontlinse lediglich ein rundes Loch (Pinhole). Durch die hohen Blendenwerte entsteht eine hohe Lichtbeugung, die die typische Unschärfe dieser Aufnahmen erzeugt.

Mit der Verwendung von Lochkameras versuche ich, dem Ideal der „Lichtmalerei“ nahe zukommen: Nicht durch ein Linsensystem geleitet, dringt das Licht - sozusagen pur und ungefiltert - durch das Loch der Kamera, wird direkt auf das lichtempfindliche Material (teils Film, teils Fotopapier) geworfen und dort „konserviert“. Dem Licht kommt damit eine dem Pinsel des Malers vergleichbare Rolle zu.

Ich betrachte Lochkameraaufnahmen eher als eine Art virtuelle Wirklichkeit denn als Abbildung der wirklichen Welt. Das Dargestellte bleibt zwar erkennbar und wirkt vertraut, mutet aber dennoch leicht entrückt an. Bevor uns die Details eines Bildes aber klar erscheinen, haben sie sich bereits in weichen Konturen verloren. Die Motive befinden sich damit gewissermaßen in einem Schwebezustand zwischen Erscheinen und Auflösen.

Vielleicht löst diese Bildmagie eine Art inneren Dialog zwischen Betrachter und Bild aus, wie es in der impressionistischen Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts intendiert war. Vielleicht werden beim Betrachter auch eigene Erinnerungsbilder evoziert. Vielleicht wirken manche Aufnahmen wie der romantische Blick in die Ferne mit weichen Umrissen und sanften Farben...

Dokumentatarischer Ansatz

Bei der Fotografie von Landschaften, Stadtlandschaften und Gebäuden stoße ich oft auf Sujets, die aus der Ferne betrachtet sehr einfach strukturiert sind, die aber bei näherer Betrachtung eine große Detailfülle aufweisen.

Um beides in einem Bild zu fassen, verwende ich - als Gegenpol zur Lochkamera - ein Verfahren, das es erlaubt, das dokumentarische Potenzial der Fotografie voll auszunutzen. Es handelt sich dabei um eine digitale Technik zur Produktion großformatiger Aufnahmen mit sehr hoher Auflösung. Das Verfahren erlaubt es zudem, ungewöhnliche Perspektiven darzustellen. So gelingt etwa die gleichzeitige Erfassung von sehr nahen und fernen Motivteilen in stärkerem Maß als dies das menschliche Auge zulässt. Nähe und Ferne, Vordergrund und Hintergrund erfahren somit eine gleichberechtigte Betonung. Es entstehen Aufnahmen, die sowohl die Makrostruktur als auch die Mikrostruktur eines Sujets beinhalten.

Ich möchte es bei diesen Fotografien dem Betrachter überlassen, welchen Blick er anlegt: So kann er - bei entsprechend weitem Betrachtungsabstand - das Gesamtpanorama des Bildes auf sich wirken lassen. Die technische Auflösung dieser Fotos lädt den Betrachter danach aber zu einem Herantreten an das Bild ein. Beim Nähertreten erscheinen - als würde man ein Fernglas benutzen - immer mehr Details der Aufnahme. Es ist eine Einladung zu einer „Wanderung“ auf dem Bild, auf der Suche nach immer neuen Einzelheiten.

Diese großen Bilder entstehen dabei nicht einfach durch Vergrößerung eines technisch gelungenen Fotos. Vielmehr sind sie von Anfang an auf Größe konzipiert. Das beinhaltet sowohl die Auswahl eines geeigneten Motivs als auch eine auf ein großes Format auslegte Aufnahme- und Produktionstechnik.